Lo100
Ein immer noch aktueller Oldtimer  (eine kleine Chronik des Zwergreihers. BI 1979/1980  Hg)
 

Das Original "Lo100", ab 1953 bei dem legendären Wolf Hirth in Nabern in Lizenz gebaut, wurde vom Ing. Alfred Vogt entwickelt und konstruiert. Im Sudetenland geboren, nach dem Krieg zuerst nach Peißenberg/Obb. verschlagen, übernahm Alfred Vogt 1955 die Betriebsleitung bei Schempp-Hirth in Kirchheim.
 

Das Original

Zum Gedenken seines im Krieg gefallenen Bruders Lothar, gab er den von ihm immer genannten Zwergreiher den Namen "Lo". Die "100" steht für die 10mtr. Spannweite. Die Lo100 war bis zum Ende der 80er Jahre die dominierende Kunstflugmaschine. Sie belegte bei allen Deutschen, wie auch Weltmeisterschaften im Segelkunstflug die ersten Plätze und konnte auch nicht vom Salto oder der Pilatus-B4, selbst der Mü-28 verdrängt werden, obwohl die Mü-28 speziell für die Ablösung der Lo entwickelt und gebaut worden war. Erst die Kobuz und ihr Nachfolger die Swift konnten der Lo100 Paroli bieten und verdrängten sie von den vorderen Plätzen. Die Lo100 war somit über Jahrzehnte die Beherrscherin des Segelkunstfluges, obwohl sie in Holz und Kottonbespannung hergestellt war und die Ära der Kunststofflugzeuge längst begonnen hatte. (Es war damals  die Zeit, als Kotton in Deutschland noch mit "K" geschrieben wurde.) Sie wurde wie ich mich heute noch gut erinnern kann, bei den ersten Deutschen Segelflugmeisterschaften nach dem Krieg in Oerlinghausen 1953 von Albert Falderbaum meisterhaft geflogen.

Nachdem ich seit einigen Jahren meinen, in den 40er Jahren  entstandenen Jugendtraum des Fliegens, mit dem Hobby Modellfliegen verwirklicht hatte, kam ich, wie es fast jeden Modellflieger es immer wieder passiert, im Sommer 1975 rein zufällig an einem Flugplatz wie ich in Oerlinghausen vorbei. Hier konnte ich beobachten, wie zwei Lo100 auf Höhe geschleppt wurden und sie diese mit diversen Kunstflugfiguren bis zur Landung abbauten. Es waren der damals amtierende Deutsche- und Weltmeister Hubert Jäntsch und der spätere Deutsche Meister im Segelkunstflug Dieter Wasserkord, die beide Fluglehrer am dortigen Flugplatz waren und nach der Schulung ihre Trainingsflüge absolvierten.
 

Das Modell

Diese faszinierenden Flüge der beiden Lo100 waren der auslösende Moment, um ein Modell maßstäblich 1:3  zu entwerfen und danach zu bauen.
Die Pläne habe ich nach einem 3-Seiten-Riß, Maßstab 1:20  sowie anderen Veröffendlichungen  erstellt. Für den Rumpf wurde im Positiv- Negativverfahren eine GFK-Form (noch heute in meinem Besitz) erstellt. Wir waren zu dritt, als wir dieses Projekt in angriff nahmen, sodass durch die Arbeitsteilung eine geringe Zeit von etwa 4 Monaten ausreichten, um das erste Modell in die Luft zu bekommen. Als Flügelprofil habe ich das damals populäre, auch heute noch viel verwendete "E-374" verwendet, was gegenüber dem Profil "Clark Y 11,6%" (am Original), eine bessere Rückenflugeigenschaft bei einem geringeren Widerstand hat. Der Flügel selbst, bedingt durch seine Größe, im Gegensatz zum Original, habe ich 2teilig in Rippe gebaut. Die Anzahl und Anordnung der Rippen wurden ebenfalls maßstäblich vom Original übernommen. Heute würde ich das Profil "HQ1,5/8" verwenden. Denn durch die enorme Flächentiefe ergibt sich eine ausreichende Festigkeit. Das Profil "HQ1,5/8" habe ich später auf einer kleineren Lo100 verwendet, wobei es sich ganz gut bewährt hat. Den kleinen Rumpf, im Maßstab 1:4, bezog ich von Uwe Gewalt-Modellbau.
Die Lo100 ist kein Leistungsflugzeug, was schon die geringe Streckung von "Lambda 9" und der große Rumpfwiderstand verhindert. Dafür ist und bleibt sie aber ein ausgesprochener Kunstflugsegler. Im F.-Schlepp auf Höhe gebracht, hat man zwar meist ein zeitlich kurzes, dafür aber ein eindrucksvolles Erlebnis, welches man kaum vergessen wird. Anders an Hängen wie in der Rhön, wenn weiträumiges Tragen vorhanden ist, wie auf dem Foto der WAKU am Westhang, vor einer herannahenden Gewitterfront. Das sind dann Momente, wo man mit der Lo100 herumturnen kann ohne an Höhe zu verlieren und die Leichtwindsegler längst eingepackt sind. Allerdings muß man mitunter einen Regenschauer in Kauf nehmen können, denn weit ist der Weg zurück zum Parkplatz, so weit, so weit!

Anschließend trifft sich alles was geflogen hat bei Helga und Gustav bei einem Radler oder...,  und Mann/Frau erlebt den Rhöngeist in Natura und spricht über den Geist der Rhön, den schon die Darmstädter Jungen 1911 entdeckten oder brachten sie ihn mit? Auf jeden Fall ist er auch heute noch vorhanden und wir sollten bei einem Besuch in der Röhn, wo alles einmal anfing dazu beitragen, dass er uns weiterhin erhalten bleibt.
 

Darauf sollte bei einem Nachbau eines solch aussergewöhnlichen Modells geachtet werden.

Bedingt durch die enorme Flächentiefe und die geringe Streckung ergibt sich ein relativ großer Abwindfaktor, der durch das tiefliegende Höhenleitwerk etwas größer ist als bei den allgemeinen Modellen. Dieser bewirkt eine geringe negative EWD. Zumindest 0°.  Bei meinen Lo's und deren verwendeten Profilen liegt sie bei etwa -0,25°. Der Vorteil des tiefliegenden HLW ist, dass bei Rückenlage keine Tiefe zugesteuert werden braucht (HLW liegt oberhalb der Fläche). Was für die ersten Momente etwas ungewöhnlich ist, doch man kann sich daran gewöhnen, da die Lo, bedingt durch die Größe und Gewicht sich sehr ruhig fliegen lässt.  Dann ist ein starker Effekt bei der Querruderwölbung vorhanden, fast wie bei einem Nurflügler, was mit der gerigen Streckung, der großen Flächentiefe und vor allem den relativ großen Querrudern zusammen hängt. Die Klappen selbst haben eine geringe Tiefe und haben kaum eine bemerkbare Wirkung, sodass ich sie mit den Querrudern zusammen steuere. Da die relatief kleinen Klappen kaum eine Wirkung beim Landen bringt, habe ich sie generell mit den Querrudern parallel geschaltet und werden mit eigenen Servos winkelgleich den Querrudern gesteuert. Zur Landung werden die Querruder und Klappen von mir mit der Ratsche etwa bis zu 12° nach oben gesteuert, wobei dem Ausschlag entsprechend viel Tiefe am HLW beigegeben werden muss. Wer nicht wie beim Original den Slip bevotzugt (der aber mächtig geübt werden muss).  Selbst bevorzuge ich die Querruder mit den Klappen nach oben bei der Landung, wobei das Modell extrem ausgebremst wird und man sehr langsam landen kann.

Siehe auch hier!
 

Für Einsteiger und Jugendliche noch folgender Tipp.

Bei meinen Eigenkonstruktionen hat mir unter anderen das Fachbuch  "MTB4  - Konstruktion von RC-Segelflugmodellen  ---  von Dietrich Bertermann"      gute Dienste geleistet, zumal dort der funktionelle Zusammenhang aller Berechnungen und Momente gut erklärt wird, auch die Perseke Bücher sind dafür sehr gut, aber leider nicht mehr erhältlich.
 
 

Daten Original:

Spannweite:                 10,00 m
Rumpflänge:                  6,15 m
Fluggewicht:              250,00 kg
Flächenbelastung:        22,50 kg/m²
 
 

Daten   Modell:

Spannweite:                  3,33 m
Rumpflänge:                 2,05 m
Fluggewicht:                 8,70 kg
Flächenbelastung:       62,00 g/dm²
 

Zurück